Entstehungsgeschichte des Heimatmuseums

Chronologie der Bau- und Renovierungsmaßnahmen

Im Jahre 1992 übernahm ich mein Elternhaus mit allem landwirtschaftlichen Zubehör. In meiner Kindheit noch hatten meine Eltern mit viel Arbeitseinsatz ihre kleine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. Daran erinnerte ich mich beim Anblick der vollen Scheune.

Die landwirtschaftlichen Geräte waren sichtbare Zeugen meiner Vergangenheit. Waren sie nicht zu wertvoll für den Schrotthändler? Sollte ich sie nicht lieber für folgende Generationen aufbewahren? Damit war die Idee des Heimatmuseums in Udenhausen geboren und ließ mich fortan nicht mehr los.

Acht Jahre später bot sich mit dem Ankauf des direkt benachbarten Schusterklose-Haus die Möglichkeit, neben der Landwirtschaft auch das häusliche Leben von früher darzustellen. Es bedeutete aber auch einen immensen Restaurierungsaufwand und finanzielle Auslagen. Das Schusterklose-Haus hatte nämlich durch Modernisierungsarbeiten in den 70-iger Jahren des letzten Jahrhunderts seinen ursprünglichen Charakter weitgehend verloren. So war zum Beispiel der Stall zum Wohnraum umfunktioniert und die Fachwerkfassade verkleidet worden.

Die Restaurierungsarbeiten begannen im Herbst 2000 mit der Wiedererrichtung des Stalles. Dabei wurden die alten Ziegelsteine und ein altes Stallfenster aus dem ehemaligen Stallgebäude meines Elternhauses verwendet.

2001 wurde die Fassadenverkleidung entfernt und das wunderschöne Fachwerk wieder freigelegt und restauriert .Es folgten die Sicherung des Scheunengerüstes und des gesamten Daches sowie die Freilegung des Stallinnenraumes.

2003 konnte schließlich der Innenausbau des Wohnhauses in Angriff genommen werden. Im September 2004 wurde in der Küche ein Backofen errichtet, genannt „Backes“. Er ist das Herzstück der Küche. Allerdings gab es früher keinen eigenen Backes in diesem Haus, sondern man nutzte wie die meisten anderen Familien auch den Dorfbackes in der Mitte des Dorfes.

Im April 2006 war es dann endlich soweit und in der Scheune konnten die ersten Ausstellungsstücke platziert werden. Die Bestückung des Hauses mit alten Möbeln und Gegenständen begann im August 2006, nachdem überall neue Dielenfußböden gelegt worden waren.

Am Pfingstsonntag 2007 wurde das Schusterklose-Haus mit einer feierlichen Einweihung als Heimatmuseum eröffnet und belebt.

Schusterklosehaus

Das Schusterklose Haus ist ein typisches Hunsrücker Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert. Vom Baustil und den Überlieferungen her dürfte das Fachwerkhaus mindestens 150-170 Jahre alt sein. Belege dafür gibt es nicht. Ein dendrochronologisches Gutachten zur Bestimmung der im Haus verwendeten Balken könnte den Erstellungszeitraum noch genauer fixieren.

Scheune, Stall und Wohnhaus befinden sich unter einem Dach. So konnte man das Vieh auch als Wärmequelle für die Bewohner nutzen.

Die Scheune ist in der Mittelachse 9 – 10 m hoch. Sie reichte aus, um die landwirtschaftlichen Gerätschaften aufzubewahren und das Futter für drei bis fünf Kühe bzw. Ochsen und ein paar Schweine zu lagern. Diese waren im direkt anliegenden Stall untergebracht, eine relativ kleine Örtlichkeit mit Zugängen zur Scheune, nach draußen (insbesondere zum Misthaufen) und ins Haus.

Das Wohnhaus ist zweigeschossig mit einem Speicher und einem niedrigen Lagerkeller. In den alten Häusern gab es in der Regel nur einen kleinen Kriechkeller (ca. 1,20 m hoch), so auch im Schusterklose Haus. Hier wurden Kartoffeln, Äpfel, Eingemachtes und andere Vorräte gelagert. Auch der Most und das Trinkwasser blieben im Keller schön kühl. In Udenhausen war der Keller oft in den Schieferfelsen gehauen.
Vom schmalen Eingangsflur im Erdgeschoss aus gelangte man direkt in die gute Stube (die allerdings nur an besonderen Festtagen benutzt wurde) und in die geräumige Küche mit Falltreppe zum Keller. Die Küche war der wichtigste Aufenthaltsort im Hause: hier spielte sich das Familienleben ab, der Kohleofen sorgte das ganze Jahr über für Wärme, heißes Wasser und natürlich Essen.

Von der Küche aus führte eine schmale Treppe zu den drei Schlafkammern im ersten Geschoss. Der Speicher war von dort nur über eine schmale Stiege erreichbar. Er diente vor allem dem Trocknen von Getreide.

Der Name „Schusterklose Haus“ geht vermutlich auf einen Hausbewohner oder Vorfahren zurück, der Nikolaus hieß und von Beruf Schuster war. Alle späteren Bewohner des Hauses bekamen den Beinamen Schusterklose. Zum Beispiel Schusterklose Ammi, die eigentlich Annemarie Hammes hieß und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrem Mann Stoffel (Christoph) sowie den vier Kindern Toni (Anton), Gretche (Magret), Liesje (Elisabeth) und Jupp (Josef) das Haus bewohnte und bewirtschaftete.

Ich hoffe, in näherer Zukunft über Archive etc. noch mehr Details zum Schusterklose-Haus und über seine Bewohner in Erfahrung bringen zu können.