Erntegeräte

Bis in das 20. Jahrhundert hinein lief die Getreideernte vorrangig in Handarbeit. In ganz frühen Zeiten wurde noch mit der Sichel das hochgewachsene Korn vom Boden getrennt. Diese mühsame, rückenschädliche Arbeit wurde später durch die Arbeit mit der Getreidesense abgelöst. Daran befestigt war ein Korb, das sog. Reff. Dieser bestand aus 1 - 4 Bügeln, auf die sich das fallende Korn legte und von dort in Bündeln mit der Sichel zu sog. Garben aufgehoben, gebunden und aufgestellt wurde. Die Garben wurden zum Trocknen in Haufen aufgestellt. Die Strohbänder zum Binden der Garben wurden im Winter aus Roggenstroh gefertigt. Später erleichterte die Mähmaschine mit Ableger den Erntevorgang sehr. Der Binder löste die Mähmaschine ab und wurde wiederum durch die ersten Mähdrescher revolutioniert.   

War das Getreide getrocknet, wurde es in früheren Zeiten mit dem Leiterwagen in die Scheune zum Abladen gebracht. Auf der Tenne wurden die Garben kreisförmig auf einem großen Tuch mit den Ähren zueinander gelegt, 3 - 4 Personen schwangen den Dreschflegel und schlugen die Körner aus den Ähren. Nach dem Entkörnen blieb ein Gemenge aus Körnern, Spreu und Unkrautsamen zurück. Mit großen Sieben wurde dieses Gemisch vorgereinigt und danach mit Schaufeln gegen den Wind geworfen. Der Wind trug Verunreinigungen wie Spelzen und Spreu davon, während die schweren Getreidekörner auf den Boden fielen. Im 18. Jahrhundert kam die Wind- oder Kornfege - auch Windmühle genannt - , eine chinesische Erfindung, auf den deutschen Markt: ein Flügelrad erzeugt einen Luftstrom, der die leichten Spreu- und Staubteilchen von den schweren Getreidekörnern trennt. Über eine Schütte fallen die Getreidekörner zu Boden. Das ausgedroschene Stroh diente als Stallstreu oder geschnitten als Viehfutter.

Später wurde das Getreide entweder direkt auf dem Feld oder auf dem Hof zu Dreschmaschinen gefahren. Teilweise gab es diese auch stationiär in einer Scheune eingebaut. Um 1900 hatte der Stiftendrescher auf dem Hunsrück seinen Einzug. Es war eine 60 cm breite Trommel, 40 cm Durchmesser mit etwa 6 cm aufgesetzten Zähnen. Ein Deckel mit den gleichen Zähnen war fest aufgesetzt. Durch einen Schüttler wurde das Getreide weiter befördert. Später hat der Breitdrescher denselben abgelöst. Der Antrieb erfolgte zunächst mit einem Viehgespann an der Deichsel, die den Göpel in Bewegung setzten, dann mit Benzolmotor, meist aber mit dem "Gewell" (Gehwelle) oder einer fahrbaren Dampfmaschine, dem Lokomobil, und später mit Elektromotoren/Strom. Die Welle trieb eine Transmissionsscheibe an, die mit schweren Bändern aus Leder, sog. Transmissionsriemen, mit den Maschinen verbunden war.